

björn kleinhenz + wthl + cedarwell, amp
„johannes mayer verwöhnte mit seiner verletzlichen stimme bereits das doch recht zahlreich erschienene publikum, als ich das amp betrat. wie er andeutete, würde dies wohl sein vorerst letztes konzert in münster werden. grund genug für mich, ihn ein drittes mal ausgiebig zu genießen. wie gewohnt wurden alle anwesenden mal wieder zeugen einer höchst gefühlvollen vorstellung. sodann machten sich die beiden schweden björn kleinhenz und winter took his life sowie der amerikaner cedarwell auf, um abwechselnd ihre songs mit gegenseitiger unterstützung vorzutragen. besonders songs ihrer vielen split-eps fanden den weg in die gehörgänge der aufmerksamen gäste. leider spielte mein favorit björn keine songs seiner eigenen platte „trans pony“, die für mich das musikalische letzte jahr so stark geprägt hat. ungeachtet dessen bot der kurzweilige abend einen ständigen wechsel zwischen der schüchternen susanna brandin, dem rauen erik g. neaves und dem verschmitzten björn kleinhenz.“
konzerte


kilians + babsyhambles, live music hall
„bevor pete doherty mit seinen babyshambles tatsächlich erschien, durften sich zunächst die kilians aus dinslaken auf der geräumigen bühne der kölner live music hall austoben. trunkenheit, spielfreude und begeisterung strahlte besonders sänger simon aus, der anlässlich seines geburtstages und ausverkauften hauses zuvor vermutlich tief ins glas geschaut haben musste. beharrlich zelebrierte er seine wunderlichen bewegungen und skandierte bandnamen und herkunft. für erste unterhaltung war damit gesorgt. pünktlich erklommen im anschluss die babyshambles die bretter, die offenbar die welt bedeuten. begleitet durch pathetische klänge vollführten die vier abgehalfterten typen einen triumphmarsch ähnlichen einzug. fahnen wurden geschwenkt, ein festakt schien zu folgen. wie auch das zweitwerk eröffnete „carry on up the morning“ die veranstaltung und der frontmann begann sich gemächlich seiner gitarre zu widmen. es folgten songs des aktuellen albums sowie der „the blinding ep“. „pretty sue“, ein bisher unveröffentlichter song, wankte zwischenzeitlich auch durch die setlist, die leider keinerlei höhepunkte, mit ausnahme des stückes „side of the road“, zu bieten hatte. überaus behutsam versuchte pete, jegliches aufsehen zu vermeiden. von leidenschaft keine spur. er trank apfelsaft, sprach ein paar brocken deutsch und verschwand für eine weile von der bühne. ein tadelloser schulbuben-gig, denkt man an das wiederholungs-konzert im kölner e-werk vor knapp zwei jahren zurück, auf dem der skandalrocker unter erheblichem drogeneinfluss das publikum bis in die allerletzte reihe zu extatischer begeisterung anstachelte. warum sein elan diesmal völlig ausblieb? der überwiegenden langweile mangelden drogenkonsum zu unterstellen wäre zu einfach. vielmehr bieten die songs des zweiten albums „shotter’s nation“ einfach weniger ausschöpfungspotential für eine ausufernde live-performance. dass die band beinahe ausnahmslos auf songs des debüts verzichtete, bleibt mir demnach unverständlich. ob ein versuch der ernsthaftigkeit pete doherty erreicht hat? falls dem wirklich so sei, sollte man sich um zukünftige konzerte der babyshambles sorgen. petes leidenschaft fehlte in köln nämlich leider gänzlich. falls du deinen sinn für hingebungsvolle musik nicht wieder finden solltest (gerne auch ohne die hilfe bewusstseinserweiternder wirkstoffe), hör ich dich doch lieber auf platte, pete!“


okkervil river, gleis 22
„okkervil river beehrten die provinz in münster. sonst kriegt man sie eigentlich nur noch in den metropolen dieser welt zu gesicht. der grund für ein bis zum anschlag gefülltes gleis. das hat lange keine band mehr geschafft, soweit ich mich erinnern kann. nach einer sehr grauenvollen vorband (dead pan rangers) und ausgiebigem soundcheck war es dann gegen 22.15 uhr endlich soweit. will sheff stand mitsamt seiner fünf musiker-kollegen auf der viel zu niedrigen bühne des kleinen clubs. und der soundcheck sollte sich gelohnt haben. einen akribischer abgestimmten sound habe ich dort bislang nicht gehört. ein perfektionistisches handwerk zeichnet die sechs texaner eben aus. der nerdige frontmann will sheff gab ohne zweifel sein bestes. voller herzblut und leidenschaft bot er seine erstklassigen songs dar. ob er bei schaurigen balladen wie „girl in port“ ins mikrofon haucht oder bei rasanten rock ’n‘ roll nummern wie „unless it’s kicks“ aufgeregt krächzt, seine stimme ist durchgehend auf der höhe. wenn sie droht zu überschlagen, fängt er sie wieder ein, um ihr einen noch anmutigeren ausdruck zu verleihen. ein musiker, der mit ganzem herzen dabei ist. man merkt es ihm sichtlich an. ob dies an der pille liegt, die er kurz vor den ersten takten zu sich nahm, bleibt ungewiss. es interessiert auch nicht weiter. sollte man ihm lieber danksagen für beinahe zwei stunden voller brillianter und bewegender momente.“


sixnationstate + the bishops, amp
„die vorband besser als der hauptact? eine seltenheit. doch ausnahmen bestätigen die regel. die verzottelten jungs von sixnationstate machen es vor. in den disziplinen tanzbarkeit, mitklatsch-animationen und amüsante ansagen stehen sie den bishop-brüdern zumindest in nichts nach. der rasante gypsy punk mit reggae-einschlag sorgte gleich für eine recht erheiterte stimmung unter den gästen. die bishops wussten sodann die gunst der stunde zu nutzen. der eine konzentriert und zurückhaltend, der andere mimt die freche rampensau. ein kontrast, der aufgeht. ein sehr sympathisch wirkendes geschwisterpaar. nach einer knappen halben stunde geht den pilzköpfen allerdings ein wenig die puste aus. für einen ganzen gig ist die beatleleske show dann doch zu wenig.“


shout out louds, reeperbahn festival 2007
„vor nicht allzu langer zeit überzeugten mich die shout out louds bereits auf dem haldern pop 2007. sehr gespannt war ich nun auf ihre performance in einem kleineren rahmen, nämlich im knust in hamburg. die setlists ähnelten sich sehr stark, allerdings kamen die edlen pop-perlen im massig überfüllten club wesentlich besser zur geltung. man tanzte sich schwitzig oder ließ sich vom „the cure-geschwängerten“ sound treiben. so oder so, für jeden gast eine wohltuende veranstaltung. auf der sympathie-skala könnten die shout out louds nicht höher stehen. absolutes highlight ist ohnehin das sagenhafte „tonight i have to leave it“, bei dem sich sänger adam olenius von der bühne direkt ins begeisterte publikum wagte. so macht pop-musik spaß!“





