7. Dezember 2010

„nach der auflösung der hellacopters vor knapp zwei jahren waren die zeiten ziemlich mau für hörenswerte, doppelte lead-gitarren wagnisse. diesem desiderat haben sich nun offenbar the sheepdogs angenommen. ihre aktuelle platte „learn and burn“ klingt nach amerikanischem süden und doch stammt die band aus saskatoon, kanada. man liegt sicherlich nicht ganz falsch, sie als bisher letzte epigonen der allman brothers band zu bezeichnen. diese begründeten ende der 60er jahre den international kommerziell erfolgreichen südstaaten-rock. der mutmaßliche höhepunkt dieser musikalischen bewegung waren die klassischen aufnahmen lynyrd skynyrds, welche mit gleich drei lead-gitarren zu werke gingen. the sheepdogs spielen ähnlich schmissig und virtuos. dabei haben sie ein sehr gutes gespür für starke arrangements. eine seltene mischung. auf sueddeutsche.de wird über den tourauftakt der kings of leon in münchen geschrieben: „sie spielen harten schnellen southern rock. die allman brothers in wenig versöhnlich, wenn man so will.“ bei solchen einschätzungen dürfen wir heilfroh sein, dass das erbe des südstaaten-rocks nicht nur von einer einzigen band weiter getragen wird. the sheepdogs: nicht überproduziert. echte recordings. you discover!“
26. Oktober 2010

„nachdem tausendsassa bernd begemann erst kürzlich mit der produktion der letzten superpunk-platte eindrucksvoll seine musikalische sachverständigkeit unter beweis stellte, versucht er sich nun mit dem kollegen dirk darmstädter als arbeiter im weinberg des deutschen rock ’n‘ roll revivals. auf einen triumphalen letzten platz im musiker-wettstreit des serien- und infotainment senders pro sieben folgte die promotion-tour für ihre scheibe „so geht das jede nacht“. das titelstück, eine alte freddy quinn b-seite, befindet sich in guter gesellschaft anderer fexy boogie-woogie nummern aus den 50er jahren des letzten jahrhunderts. beim gastspiel im frankfurter in-club das bett bot der gut rasierte fünfer eine fulminante show, die den ein oder anderen vom hocker riss. nach einer fünf-minütigen tour de force durch „that’s all right ma“ entließen begemann und darmstädter die band von der bühne und gaben dem auditorium im duett den rest. immer wieder forderte begemann mit in die höhe gereckten armen vom publikum frenetischen applaus ein: „es tut so gut. kommt, macht noch ein bisschen krach.“ der ein oder andere raunte: „und so geht das jede nacht.“ eine schöne vorstellung.“
8. Oktober 2010

„von der gruppe, die ihre panflöten lieblich zu elektro-beats erklingen lässt, bis zum virtuosen leierkastenspieler: die straßen des landes sind voll musikalischer genies. unlängst traf ich auf richard smerin, einen folk-barden im besten alter. mit seiner akustik-gitarre saß der wahl-fürther in der nürnberger fußgängerzone nahe lorenzer platz. er spielte lässig und sang noch ungleich lässiger. im vorbeigehen fing ich mir die folgende bemerkung einer freundin: „wenns dir gefällt, wirf gefälligst was rein!“ gesagt, getan. euro auf der gitarrentasche platziert. kurzer plausch über mein t-shirt. janis joplin, die wäre doch mittlerweile auch schon 107. und: „for my record, the price you want to pay.“ hmm, schwer. dann der entscheidende hinweis: „it’s blues.“ warum sagt er das nicht gleich? richard smerins „trouble with me“ ist eine starke scheibe und steht nun zwischen der ersten queen und „sailin’ shoes“ von little feat, wenn sie nicht in der stereo-anlage rotiert. auf in die einkaufspassagen, leute! denn es gibt mehr zu entdecken als herbst-kollektionen, einmalige prozente auf alles und burger king. ein richard smerin lauert allerorten und er spielt für euch.“
23. Mai 2010

„im sommer 1970 vor nun beinahe vierzig jahren wurde die fünfte langspielplatte von creedence clearwater revival veröffentlicht. „cosmo’s factory“ hieß das werk und war eine knappe dreiviertel stunde lang. aus den boxen schallte einst puristischer swamp-rock, der von country über rock ’n‘ roll bis blues beinahe alles vermengte, was die amerikanische musikgeschichte bis dato hervorgebracht hatte. alle sechs eigenkompositionen, welche eine spielzeit von drei minuten nicht erheblich überschritten, schafften entweder platz zwei oder vier in den amerikanischen single charts. darunter das elegische „long as i can see the light“, das in beispielhafter weise die schiere brillianz von sänger und songwriter john fogerty offenbarte. beinhahe folgerichtig landete die platte in den billboard charts ganz vorne und bescherte der band damit ihren größten coup. zu den singles komponierte john fogerty den tollen, sieben minuten langen opener „ramble tamble“, das einzige lied des albums, das regelmäßig nicht auf den üblichen best-of zusammenstellungen untergebracht wird. außerdem coverten ccr „before you accuse me“, „my baby left me“ und spielten eine ausgezeichnete 11-minütige version des marvin gaye klassikers „i heard it through the grapevine“ ein. zwei jahre später, nach sieben genialen lps und 65 schnörkellosen stücken war dann schluss. „cosmo’s factory“ aber blieb so ein fall für diese insel, auf die nur die großartigsten platten mitgenommen werden.“
28. Februar 2010

„vermutlich wäre es ein bisschen vermessen, anzunehmen, man sei im stande, an dieser stelle große ausführungen zu johnny cash zu machen, welche mit berechtigung auch nur den geringsten anspruch auf originalität besitzen könnten. anlässlich der sechsten veröffentlichung in der „american recordings“ reihe, die den namen „ain’t no grave“ trägt und vorgestern posthum an cashs 78. geburtstag erschien, darf aber doch noch einmal auf das gesamtwerk des country-heroen aus arkansas verwiesen werden, das nun hoffentlich in dieser grundsoliden produktion seinen abschluss findet. zu viele künstler ereilte schon das schicksal, dass sie im herbst ihrer karriere furchtbar seicht produzierte werke ablieferten, die mit der dynamik und energie ihrer frühen platten nichts mehr zu tun hatten. mit rick rubin als produzent hatte cash sicherlich das hauptlos gezogen, setzte dieser doch wieder auf den minimalismus der anfangstage und schuf so mit cash seit 1993 eindrucksvolle werke. die aufnahmen zur aktuellen platte stammen wie die des vorgängers von einer session kurz vor cashs tod im jahr 2003. wieder stehen themen wie tod, hoffnung und erinnerung im mittelpunkt. „until we meet again“ sind die finalen worte des letzten stückes „aloha ‚oe“. obwohl bestimmt noch weitere aufnahmen in rubins archiven liegen, wäre es schön, wenn nun enden würde, was 1954 bei sun records mit sam phillips begann. denn bisher ist die „american recordings“ serie der sehr viel stilvollere umgang mit cashs künstlerischem nachlass, während andere labels leider mit best-of kompilationen, livekonzerten von ehedem und anderen raritäten um sich schmeißen, die in so einigen kellerräumen aufgefunden wurden.“