1. Februar 2010

„mit der einführung der compact disc ist auch das phänomen des hidden tracks vermehrt aufgetreten, bietet der digitale tonträger doch verschiedenste möglichkeiten, ein lied oder etwas ähnliches zu verstecken. der wohl beliebtesten methode haben sich auch die kings of leon auf ihrem ersten werk „young youth and manhood“ bedient – nach einigen minuten stille schließt sich „talihina sky“ an. da hidden tracks häufig einfach nur aus wirren geräuschgemischen oder nur wenigen akkorden bestehen, darf man sich freuen, dass der silberling in diesem fall zu guter schluss nicht mehr und nicht weniger als das kompositorische highlight der bereits zehn-jährigen bandgeschichte ausspuckt. in jenen tagen als der sound noch staubtrocken über den äther ging, haben die kings of leon den himmel über einer beschaulichen stadt in oklahoma besungen, deren einwohner ihr leben lang an ihrer scholle kleben. das bedauernswerte leben auf dem land sollte man sobald wie möglich hinter sich lassen, so der tenor. das im lied erwünschte fortkommen hat die band auch hinsichtlich ihrer musik verwirklicht und den klang der neuen aufnahmen verstärkt auf massentauglichkeit getrimmt. leider sind damit die lieder der frühphase ebenfalls beinahe gänzlich von den konzerten verschwunden. wenn man den song „talihina sky“ hört, wünscht man sich schon die zeiten zurück, als die kings of leon noch als hauptband mit rauschebart und ziemlich zerschlissenen klamotten nach den features gespielt haben, ohne dass daraus gleich eine spektakuläre pr-kampagne gemacht wurde. gegen eine platte, durch die nochmals ein wenig „talihina“-staub weht, wäre nichts einzuwenden. aber da sich über geschmack ja bekanntlich nicht streiten lässt, bleibt es beim verweis auf einen außergewöhnlichen hidden track, der sowohl für fans der ersten stunde als auch für youtube-neuentdecker der letzten woche etwas sein könnte.“
24. Januar 2010

„der hamburger gisbert zu knyphausen stürmte vor zwei jahren mit seiner ganz eigenen mischung aus melancholie und trotz die deutschen konzertsäle. vor 34 jahren haben es ac/dc mit derselben mixtur auch schon einmal probiert. zu ungewohnt ruhigen klängen singt bon scott, den man bei jedem wort schmunzeln zu sehen meint, einen großartigen text über einen ernüchterten kerl im besten alter. allein und fernab beständiger beziehungen, vom alkohol umspült, ohne aussicht auf besserung erkennt dieser die leere in seinem kopf. sich bewusst, dass das leben gewiss anders laufen könnte, triumphiert doch die unfähigkeit, einen neuanfang zu machen. es geht für ihn schlichtweg weiter per anhalter die straße des lebens hinunter – „ride on“. das möglicherweise famoseste blues-solo des jüngeren young-bruders angus unterstützt die zerrissenheit eines lebens, an dem bon scott nur vier jahre später selbst ersticken sollte. wem ein paar dur-akkorde eigentlich nicht reichen und ac/dc sowieso zu stumpf sind, dem entgeht nicht nur ein bitterschönes lied, sondern auch die chance, einen charismatischen sänger zu entdecken, der gewiss nicht bereut hat, die entscheidung für die weiterfahrt getroffen zu haben. das leben ist heutzutage bekanntermaßen noch komplizierter geworden, wimmelt es doch offenbar vor möglichkeiten an allen ecken und enden. wer kann sich da schon entscheiden? ich mich immerhin für „ride on“. es war, ist und wird mein lied der lieder bleiben.“
19. Januar 2010

„rock ’n‘ roll wurde vor über 50 jahren gespielt, da hieß der interpret zum beispiel little richard. rock ’n‘ roll wurde auch vor 40 jahren gespielt. da hießen die bands dann mc5 oder the stooges. all diesen burschen hat man die drei akkorde abgenommen, weil sie imstande waren, sie authentisch zu zelebrieren. rock ’n‘ roll wird natürlich immer noch gespielt, aber die authentischen bands sind wiederum rar gesät. the jim jones revue spielen den rock ’n‘ roll so, wie er gespielt werden sollte: überdreht, übersteuert und übertrieben laut. dass man die fünf briten aber als legitime erben der großen rock ’n‘ roll urgesteine bezeichnen und von den unzähligen nachahmern unterscheiden muss, liegt an der originellen und begeisternden vortragsweise: so auf ihrem selbstbetitelten debüt-album von 2008, das in 48 stunden quasi live auf band gedroschen wurde, so auf der einzigen deutschland-tour im herbst desselben jahres in einer handvoll städten und auf der zuletzt erschienenen single-sammlung namens „here to save your soul“. dass die jim jones revue seit über einem jahr einen bogen um deutsche veranstaltungsräume macht, ist jammerschade. die nächste gelegenheit sollte in jedem fall beim schopfe ergriffen werden. ich habe mit vier der fünf herren am pinkelbecken gestanden und seid versichert: sie freuen sich definitiv über jeden, der abtanzen kommt. aber: gehörschutz nicht vergessen. kein scherz!“
17. Januar 2010

„hoppla, da startet das jahr gerade durch und man stolpert mit mehrmonatiger verspätung über einen der klassiker des letzten musikjahres: „before the frost“ – das neue album der black crowes. für cd-käufer gibt es den zweiten teil „until the freeze“ als gratis-download, für vinyl-liebhaber direkt die ganze ladung als doppel-lp. der clou ist die tatsache, dass die platte live vor publikum im tonstudio von ex-the band drummer devon helm, einer scheune, aufgenommen wurde. und so klingt das ganze dann auch – kantig produziert in einem schicken retro-gewand, dass sogar die faces vor neid hätte erblassen lassen. nach jedem lied ist die reaktion der zuhörer zu vernehmen, die man sodann mit seinem ersten eindruck vergleichen kann. geht man nach den reaktionen des publikums, so ist „been a long time (waiting on love)“ der schlager der platte. frenetisch wird der fulminante jam des schlussteils bejubelt. aber wie wir wissen, ist der erste eindruck nun mal nur der erste. hier gibt es definitiv auch im zehnten und elften durchlauf noch so einiges zu entdecken.“
24. Oktober 2009

„es folgt eine komprimierte vorstellung des mannes, der mit geladener schusswaffe wutschnaubend in seiner garderobe auf john lennon gewartet haben soll. erwischt hat lennon, wie wir wissen, jedoch jemand anderes. den „killer“ nennt man jerry lee lewis trotzdem. die show ließ sich der „sixty minute man“ aus louisiana jedenfalls nicht so ohne weiteres stehlen. und wenn man lewis‘ pfirsiche nicht mochte, dann sollte man es immer schon tunlichst vermeiden, an seinem baum zu schütteln. wer sich indes von den ausgesprochenen live-qualitäten des piano-virtuosen überzeugen möchte, dem sei sein auftritt vom 5. april 1964 mit den nashville teens im, zitat lewis, „fabulous, most beautiful, really swinging“ star-club hamburg ans herz gelegt. oder er besucht das konzert am 14. november, wenn der mittlerweile 74-jährige eine frankfurter teilöffentlichkeit in der ballsporthalle höchst rocken wird. drogenkonsum, die umstrittene hochzeit seiner erst 13-jährigen cousine und unzählige schlägereien konnten ihn nicht aufhalten, der letzte lebende des million dollar quartets ist immer noch on the road. der eine mag das als mäßig originell abtun, der andere mag allerdings erkennen, dass wegen typen wie lewis die rock and roll hall of fame hochgezogen wurde und lässt sich auch in den eigenen vier wänden von der brillianz der letzten studio-platte „last man standing“ von 2006 begeistern. really swinging!“