
moneybrother – mount pleasure
„für mich ist und bleibt anders wendin alias moneybrother einfach ein ausnahmekünstler. strotzte seine zweite platte „to die alone“ noch so vor epischem seelenschmerz, geht mein lieblingsschwede auf „mount pleasure“ zunächst einmal frohen mutes zu werke. der eröffnungssong sowie „down at the r“ verschafften mir bereits beim ersten hörduchgang während einer bahnfahrt so viel freude, dass mir das grinsen nicht mehr aus dem gesicht wich. sieben minuten voller glückseeligkeit! „it will not happen here“ lässt es daraufhin erstmals etwas ruhiger angehen, entwickelt sich dann aber ungeahnt zu einem mitsing-song aller erster güte. nach dem zärtlichen duett mit der norwegerin ane brun folgt mein unumstrittener lieblingssong des albums: „any other heart“. er beinhaltet alles, was einen vollkommenen song ausmacht: emotionen, erstklassige soli, tempowechsel und das gewisse etwas, das für lange zeit im kopf hängen beibt. das alles geht der single „just another summer“ leider doch ein wenig verloren. nach mehrmaligem hören dieses schwungvollen pop-songs stellte sich bei mir bereits tristesse ein. „no damn, i don’t love you“ und „i know it ain’t right“ lassen dann gegen ende hin noch einmal an den famosen vorgänger erinnern, fehlt ihnen jedoch das letzte quäntchen melancholie, welches mir auf „to die alone“ noch so unvergesslich zu herzen ging. nichtsdestotrotz kratzt „mount pleasure“ sehr stark an den neun sternen, schafft es letztendlich aber nicht ganz, mich zu derartiger lobhudelei zu bewegen.“

platten

okkervil river – the stage names
„ich habe sie damals anders kennengelernt, will sheff und seine ausgezeichnete band okkervil river. umso mehr überraschte mich der album-opener „our life is not a movie or maybe“, der an allen ecken knallt und dröhnt. keine spur von kummer. einmal mehr sollte diese hymne gefeiert werden! weiter gehts mit „unless it’s kicks“. ein song, der auch den kings of leon entflohen sein könnte, so locker luftig drängt sich der treibende rhythmus durch die adern. bei „hand to take hold of the scene“ verspürt man sogar eine art groove. ist das tanzbar? fast unvorstellbar. die swingenden blasinstrumente sind nicht wieder zu erkennen. wurden sie auf dem meilenstein „black sheep boy“ doch noch gänzlich anders eingesetzt. mit „savannah smiles“, „plus ones“ und „a girl in port“ folgen jedoch endlich drei songs, für die okkervil river allseits so geschätzt werden. schaurig-schöne lieder über sehnsüchte, deren aufrichtigkeit von herzen kommt. wer dann noch die akustik-varianten der teils vergriffenen bonus-platte gehört hat, wird ein für allemal begeistert sein. will sheff befindet sich im augenblick womöglich auf dem höhepunkt seines kreativen schaffens.“


the coral – roots and echoes
„das inzwischen fünfte album der sieben herren aus hoylake beginnt gleich fidel. mit der beschwingten single „who’s gonna find me“ eröffnet der mit abstand tanzbarste song des albums die wieder mal kaum beschreiblichen coral-klänge. nahtlos wird an den sehr harmonischen northern soul des vorgängers „the invisble invasion“ angeknüpft. entzückend ist auch song nummer drei. mit brillianter melodieführung fordern uns the coral auf, der sonne einen platz im herzen zurückzugeben. danach folgt „jaqueline“. können songs mit mädchennamen überhaupt schlecht sein? vermutlich nicht. demgemäß bezirzt auch „jaqueline“ mit unvergleichlichem charme und üppiger hookline. nach einigen verträumten, aber doch eher belanglosen momenten ist schließlich noch „cobwebs“ eine gesonderte erwähnung wert. entspannung pur! das hypnotische „music at night“ schließt letztendlich ein album, das irgendwo zwischen „magic and medicine“ und „the invisble invasion“ liegt. zum durchhören ist „roots and echoes“ infolgedessen mehr als geeignet, doch hinterlässt es womöglich nicht den bleibenden eindruck, wie es besagten vorgängern gelang.“


tocotronic – kapitulation
„sehr selten gibt es grauzonen in einer tocotronic-beziehung. entweder besteht sie aus liebe oder aus hass. ich hingegen gehöre wohl zu den eher sporadischen ausnahmen, die sich in besagter grauzone befinden. teil „ihrer“ jugendbewegung war ich eigentlich nie, doch gab es immer wieder tocotronic-songs, die auch mich packten. in solchen fällen hatte es andere musik nicht leicht. denn einmal vom tocotronic-sound erfasst, kann man diesem schwerlich entkommen. zuletzt so geschehen mit meinem persönlichen übersong der tocos „gegen den strich“. widme ich mich nun also ihrem neusten werk namens „kapitulation“, um herauszufinden auf welche seite der beziehung es mich diesmal verschlagen wird. mit dem song „mein ruin“ beginnt die „kapitulation“ zunächst vertraut finster. der darauffolgende titeltrack vermittelt zwar einen durchaus eingängigen eindruck, doch wirkt er nach mehrmaligem hören eher ermüdend. die ersten höhepunkte bilden im anschluss „verschwör dich gegen mich“ sowie „harmonie ist eine strategie“. poetischer habe ich tocotronic nie gehört! stärkster song ist aber zweifelsfrei „imitationen“, dessen klangfolge mir ein glücksgefühl nach dem nächsten beschert. letzter überaus herausragender song ist schließlich „wehrlos“. ein liebeslied, wie es ehrlicher nicht sein könnte. mit „sag alles ab“ gibt es gegen ende hin zwar noch mal lautstarken rock um die ohren. doch wars das dann auch mit meinen erwähnenswerten tocotronic-erlebnissen für diesen moment. die grauzone wird vermutlich für immer meins bleiben.“


interpol – our love to admire
„einen ganz schönen druck haben die editors da aufgebaut. mit jedem hördurchgang wird „an end has a start“ besser. bleibt denn da überhaupt noch platz fürs „original“? was die spielzeit angeht, punkten interpol immerhin schon einmal. denn spendieren sie dem geneigten hörer einen ganzen song mehr als die besagte englische konkurrenz aus birmingham. im „single-vergleich“ würde ich hingegen den editors locker den ausgleich zutrauen. zwar ist „the heinrich maneuver“ ein passabler appetizer für „our love to admire“, doch gegen das übermäßige „smokers outside the hospital doors“ der editors ist kein kraut gewachsen. die ausgangslage gleicht demnach einem remis. nun zum gesamtwerk: auch interpol wissen an alte tugenden anzuknüpfen. wie in den besten „antics“-zeiten zelebrieren sie ihren düsteren und monotonen trauer-sound. einzelne songs herauszupicken hätte jedoch wenig sinn, da „our love to admire“ ein sehr homogenes album geworden ist, das nur in seiner vollen spielzeit zu überzeugen vermag. disco-hits vergangener tage wie „slow hands“ oder „evil“ lassen sich nur schwerlich ausmachen. zusätzliches indiz für die konsequente weiterentwicklung einer band, die beständig hohen anspruch fordert. um dennoch einen besonderen song zu würdigen, eignet sich hervorragend der letzte der platte. „lighthouse“ erzeugt ähnlich wie „well worn hand“ der editors ein wehmütiges finale und beendet eine platte mit vielen nachdenklichen momenten. im ergebnis unterliegen interpol den editors denkbar knapp, denn plätschert ihr drittes album zeitweise ein wenig vor sich hin, wohingegen es den editors gelingt, eine vielschichtige stimmung zu erzeugen.“
