15. Mai 2007
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platten von
oklahoma - od

shout out louds – our ill wills
„da sind sie wieder. diese liebenswürdigen schweden. „howl howl gaff gaff“ ließe sich durchaus als das persönliche überraschungsalbum 2003 bezeichnen. auf „our ill wills“ setzt man nun auf mehr pop, weniger rock. dass dieser wechsel zu überzeugen weiß, zeigt sich bereits nach erstmaligem hören des openers (zugleich erster single) „tonight i have to leave it“. dieses unverschämt treibende glockenspiel. famos! man mag vor freude im quadrat springen. ein tempowechsel jagt den nächsten. das schlägt sofort ein, fordert aber infolge kleinster details auch zum wiederholten hören auf. „parents livingroom“ tastet sich behutsam voran. zeit zum verschnaufen? keineswegs! mit „you are dreaming“ folgt sogleich die fürstliche krönung. ein brillianter glanzpunkt, der die existenz des debüts in frage stellt. um in sich zu kehren, schließen sich zwei songs an, denen es ausnahmsweise nicht gelingt, sämtliche aufmerksamkeit des hörers zu rauben. erleichterung. zu viel des glücks tut selten gut. doch scheint sich erneut überwältigendes anzubahnen. unvergessliche sieben minuten gelingt es dem zärtlichen „impossible“ zwei ausgefallene stimmen meisterhaft in szene zu setzen. so betrübt dieser song auch sein mag. die wahrheit schwingt bedauerlicherweise mit. weiterhin nennenswert: „time left for love“. zweifellos die hauptattraktion der zweiten hälfte, die leider an anfänglicher qualität verliert. auffällig ist allein noch der titeltrack. ein reines instrumental-stück. das ist selten, aber reizvoll. summa summarum beglücken die shout out louds abermals mit einem bunten blumenstrauß schönster melodien, die unaufhaltsam an wirkung gewinnen.“

15. Mai 2007
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oklahoma - od

travis – the boy with no name
„travis sind zurück und haben knapp fünzig minuten musik mitgebracht. welch überschwängliche freude in zeiten, in denen musikalisch so oft auf sie bezug genommen wird, ohne dass auch nur eine junge, ähnliche band annähernd ihre klasse erreicht hätte. schwermütigkeit und hoffnung zugleich wurden eben atmosphärisch zu keiner zeit besser verpackt als von fran healy und kameraden. da kann sich ein chris martin noch so auf den kopf stellen. zum album: vier songs markieren einen phänomenalen auftakt. schöner hätte man sich den beginn einer platte nach mehrjähriger funkstille nicht ausmalen können. eingängigere pop-musik ist in der tat schwer vorstellbar. diese wundervoll arrangierte leichtigkeit, ein genuss für alle sinne. kurz bevor man sich jedoch in dieses zauberhafte album verlieben mag, tauchen aus dem nichts erste schwächeanfälle auf. als ob jemand in der mitte des silberlings eine trennlinie gezogen hätte. plötzlich fehlt etwas. was einen eben noch so fesselte ist verschwunden. oder reicht die bis hierhin vernommene ration melancholie bereits fürs lebensende? nein, kurz blitzt sie noch mal auf im zweiten teil des albums. allerdings scheint diese einfühlsame emotionalität wahrhaftig nicht wieder zukommen. mehr als durchschnitt ist das jetzt leider nicht mehr. schade. das so gewaltige potential der ersten zwanzig minuten hat es nicht über das gesamtwerk geschafft. bleibt also erneut nichts anderes übrig, als wieder auf neue bands zu hoffen, die es wenigstens ansatzweise mit den ur-werken dieser einst so großartigen musiker aufnehmen können.“

15. Mai 2007
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oklahoma - od

arctic monkeys – favourite worst nightmare
„was folgt auf das vermutlich bombastischste debüt-album vergangener jahre? ein zweiter streich? fast! die welle, die letztes jahr, ausgehend vom vereinigten königreich, ganz europa überschwemmte, scheint mit ihren nachbeben erneut die hiesigen indie-clubs zu bedrohen. zu den vielen bands, die nachlegen mussten und noch müssen, gehören eben auch die arctic monkeys aus großbritannien. ein ganzes jahr ist vergangen, in welchem wohl niemand so wirklich um sie herum kam. ob man wollte oder nicht. erwartungsgemäß hoch sind nun die ansprüche, die in aller regel nur enttäuscht werden können. keine optimale ausgangslage, um mit einem nachfolger überhaupt noch begeistern zu können. doch hört man in die ersten takte des neuen werks, scheint jeglicher grundpessimismus schnell verflogen. wer die jungspunde vor wenigen monaten mochte, wird sie auch heute nicht aus dem cd-spieler kicken. der sound klingt wie gewohnt rau, doch scheinen es auch endlich wesentlich mehr nachdenklichere momente auf die zweite platte geschafft zu haben. für die erforderliche abwechslung ist also gesorgt. leider ist nach einer guten halben stunde das hörvergnügen schon wieder beendet, da noch mal einige minuten gegenüber dem debüt gekürzt wurden. vielleicht ist aber auch gerade das genug, um den mehr als ordentlichen nachfolger nicht zu verprellen. verständlich, dass diese außergewöhnliche begeisterung des letzten jahres nicht zu wiederholen ist. aber eine arktische neuerfindung ist wahrscheinlich ebenfalls von den wenigsten gewünscht, so dass man zukünftig weiterhin zu gewohnten monkeys-songs die hüften schwingen kann.“

15. Mai 2007
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oklahoma - od

kings of leon – because of the times
„die beiden bisher erschienenen platten der kings of leon stehen für schweißtreibenden, kurzen, aber knackigen rock ’n‘ roll, der unmittelbar seinen weg in die bewegbaren körperteile findet. meist kein einziger song über drei minuten, heizten die vier familienmitglieder trotz unverschämter lässigkeit jeder noch so tanzträgen gesellschaft ein. ähnliches wäre wohl ohne weiteres nochmals möglich gewesen, doch sprachen sie in tennessee längst von „weiterentwicklung“. folglich bekommt der hörer diesmal kein so genanntes „standard-werk“ um die ohren. der dritte wurf hebt sich vielmehr deutlich von bisher gehörtem ab. zuallererst ist auf der neusten veröffentlichung nur noch ein song zu finden, der die drei minuten-marke nicht knackt. der opener vermag zwar zunächst in die irre führen, wenn er hin und wieder den gewohnten stil aufgreift und unglaublich entspannt daherspaziert. aber umgehend im nächsten song gehts wesentlich härter zur sache. caleb schreit förmlich mit voller innbrunst hinaus, dass die kings of leon nicht mehr das sind, was sie noch vor drei jahren so groß gemacht hat. „psychedelisch“ lässt sich der weitere hörverlauf wohl treffend kennzeichnen. die songs ähneln nun keinerlei schema mehr, sondern sind in ihrer eigenständigen art und weise komplexer sowie ausgefeilter, als die noch so unkomplizierten ohrwürmer der vorgänger. zu beginn mag das ein wenig verstören, aber ist man dann erstmal auf den geschmack gekommen, möchte man mehr von diesen neuen kings of leon erfahren. ein sicherlich riskantes unterfangen, doch mit einer nicht allzu ablehnenden grundeinstellung wird man auch an diesem sound freude finden. die songs mögen sperrig oder hypnotisch wirken, aber nach einer kurzen gewöhnungsphase schleichen sie sich dann doch wieder ins ohr. der ausklang des spektakels gelingt schließlich mit einer überraschend melodiösen ruhe. fazit des dritten streiches: für manche anstrengend, für manche herausfordernd, aber mit sicherheit für niemanden langweilig.“

15. Mai 2007
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bright eyes – cassadaga
„es soll wohl leider künstler geben, die liefern halbstündige alben ab, durchdrungen von musikalischen totalausfällen. umso schöner ist es, die seltenen ausnahmen zu rühmen. einzelheiten: als vorläufer von „cassadaga“ veröffentlichte songwriter conor oberst ein werk, das sechs songs umfasst, eine knappe halbe stunde großartige musik beinhaltet und ausfallerscheinungen keinerlei chance bietet. das ganze nennt sich dann „four winds ep“ und lässt einem beim warten auf den langspieler das wasser im mund zerlaufen. wie sich herausstellt, nicht zu unrecht! „cassadaga“ beginnt dort, wo die „four winds ep“ aufhört. nämlich bei: folk, liebeslyrik und brüchigem gesang. da dies nicht mehr ganz so verschroben klingt, wie bei den vielen vorgängern, sind vorwürfe, in den mainstream abzurutschen, sicherlich unvermeidbar. aber wen stört das schon? intelligentes songwriting gepaart mit wunderschönen melodien dürfen eben gerne auch von einer breiteren masse angenommen werden. qualitativ bleibt „i’m wide awake, it’s morning“ zwar weiterhin unerreicht, aber das nennt man dann wohl: jammern auf hohem niveau.“
